Frau Antje - Popmusik kann toll sein!

Bis vor einigen Jahren dachte ich bei "Popmusik" nur an hirnloses, nervtötendes Gedudel.

Antje Schumacher hat das geändert.

Ich habe sie das erste Mal mit ihrer Band The Plastics in einem kleinen Kellerclub in Heidelberg gesehen. Ich weiß nicht mehr, was ich erwartet hatte, aber sicher nicht das:

  • Intelligente Texte. Während mich "Alles, was ich brauche" anfangs am meisten mitgerissen hat, ist mir Olivia Öl - Menstruation in h-moll am stärksten in Erinnerung geblieben - ich singe es auch heute noch von Zeit zu Zeit spontan, obwohl es mich eigentlich nur indirekt berühren sollte :)

  • Eine verdammt lustige Bühnenshow, ohne unnötigen technischen Schnickschnack. Sie haben schon allein dadurch überzeugt, wie sie waren. Alles wirkte natürlich, ungezwungen und fröhlich. Und inzwischen weiß ich, dass Antje auch außerhalb der Bühne oft genauso ist.

  • Gute Musik. Die meiste Popmusik, die ich aus dem Radio kenne, düdelt einfach vor sich hin. Bei "The Plastics" dagegen hat die Musik mit den Musikern gelebt. Während Antje ans Keyboard wechselte und erzählte, dass sie das gar nicht könne, nur um ihre Worte kurz darauf Lügen zu strafen, oder sie sich zu Titanik einen aus Pappe gebastelten Schiffsrumpf umhängte, zeigte sie, dass 30 Jahre Erfahrung eben doch einen Unterschied machen, und dass auch wirklich professionell gespielte Musik gleichzeitig eingängig und interessant, mitreißend und lustig sein kann - oft alles zusammen in einem einzelnen Lied!

Das war aber nur der Anfang. Später habe ich sie als Nina Hagen und als Stewardess von Rei(h)erair gehört und dabei erlebt, dass sie auch die Power von Nina Hagen und den Dreisatzgesang meisterlich beherrscht - und mit ihrem Witz und natürlich-nervösem Charme auch höchste Kunst auf den Boden der Tatsachen und in die Realität ihrer Zuhörer holt.

Ich hätte nie gedacht, dass ich Poplieder so genießen könnte, wie bei Rei(h)erair, und ich verstehe erst jetzt wirklich, wie genial die Musik von Nina Hagen ist - mp3s verblassen völlig im Vergleich zu dem Sound, den Antje entfesselt, wenn sie in die Rolle ihres Idols schlüpft und mit ihrer unglaublichen Stimme und der Band HEISS Nina Hagen so zurückholt, wie sie in ihren besten Tagen gewesen sein dürfte (aber vertraut nicht dem Youtube-Video. Der Unterschied zwischen dem Video und Live ist bei ihnen ähnlich groß wie der Unterschied zwischen 8Bit Konsolen-Piepsen und donnerndem Kino-Sourround-Sound).

Kurz: Ich bin absolut begeistert!

Und ich hoffe, ich kann bald ihr Soloprojekt hören, in dem sie als Frau Antje ihre Ukulele auspackt. Eins ihrer Auftrittswochenenden wird auf ein unverplantes Wochenende von mir treffen - und wenn es nach mir geht, wird das nicht allzu lange dauern! Vielleicht klappt es ja am 15.01.2010 im Alten Bahnhof in Neulußheim bei Hockenheim - dahin komme ich (wenn ich der Bahn glauben kann) mit meinem Heidelberger Studiticket in grade mal 40 Minuten.

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