Vorabinfo: Robin D. Laws „Gutes Spielleiten“ auf der Hannover spielt!

„Robin’s Laws of Good Game Mastering“ wird, wenn alles klappt, am 19.6. zur Hannover spielt! auf Deutsch veröffentlicht werden. Noch steht das nicht im Netz, aber Jan von Pegasus Spiele hat mir erlaubt, schon jetzt darüber zu schreiben.

Woher ich es weiß, wenn es sonst noch nirgendwo steht?

Ich habe es übersetzt :)

Update: Jetzt ist es angekündigt.

Update 2: Es ist verfügbar (Pegasus / Sphärenmeister / dein Rollenspiel-Laden?), und ich habe gerade total begeistert meine Belegexemplare ausgepackt :)

Inzwischen gibt es jetzt auch einen Thread in Tanelorn über Robin D. Laws „Gutes Spielleiten“, in dem ich ein paar Fragen dazu beantworte.

Werdegang, bzw. Wie es dazu kam

Ich habe das englische Robin’s Laws vor etwa 6 Jahren gekauft und regelrecht verschlungen. Nach dem ersten Lesen wusste ich schon „das muss es auf Deutsch geben!“. Als ich es dann das dritte Mal gelesen und bei jedem Lesen noch mehr gelernt und verstanden hatte, wusste ich: „Ich will es übersetzen!“

Also habe ich mich dran gesetzt und drei Jahre lang immer wieder an der Übersetzung geschrieben. Als ich dann einen ersten Entwurf fertig hatte, habe ich direkt Steve Jackson von Steve Jackson Games angeschrieben (per Mail) und gefragt, ob sie die Übersetzung wollen. Der hat mich dann an Pegasus Spiele verwiesen (deutscher Vertriebspartner). Pegasus fand meine Übersetzung veröffentlichungswürdig (logischerweise, sonst hätten sie sie nicht angenommen :)1), und da es Firmenpolitik ist, alle Mitarbeitenden2 zu bezahlen, bekomme ich auch Geld dafür :)

Ein riesiges Dankeschön gebührt hier meinen TestleserInnen (enge Freunde). Ohne ihre Rückmeldung und Unterstützung hätte ich es vermutlich nicht geschafft, die Übersetzung fertig abzutippen, mehrfach zu korrigieren (nach meinen eigenen Standards) und jahrelang dranzubleiben.

Danke! Auch dafür, dass ihr es mit den diffs als Versandformat aufgenommen habt :)

Warum gerade Robin’s Laws?

Ich habe ja schon geschrieben, dass es mich sofort gepackt hat, aber natürlich habe ich mir Gedanken dazu gemacht, was das Buch denn eigentlich so verdammt gut macht.

Einerseits ist es für mich der Schreibstil: Robin D. Laws schreibt in einer Mischung aus Filmsprache, Halb-Slang und Rollenspielerlingo, so dass das Buch einfach klasse zu lesen ist (aber richtig böse zu übersetzen – ich kann schon lange nicht mehr nachzählen, wie oft ich beim Übersetzen über seinen Stil geflucht habe und trotzdem völlig in seinem Bann war).

Dann ist da noch der Punkt, dass er mit riesigem Respekt vor jeder einzelnen Spielleiterin schreibt. Das fängt schon im ersten Kapitel an: „Wer wirklich über Erfolg und Misserfolg einer Rollenspielrunde entscheidet, das bist Du“ und zieht sich durch das gesamte Buch, bis hin zum letzten Kapitel: „Wenn deine Runde gut läuft, ignorier' alles, was ich dir gerade erzählt habe“.

Aber was meiner Ansicht nach am meisten ausmacht ist, dass das Buch Fokus hat. Es ist mehr als eine Sammlung von Tipps und viel mehr als ein Traktat dazu, wie eine gute SpieleiterIn zu leiten hat. Durch das gesamte Buch zieht sich vielmehr ein roter Faden: „Wenn mindestens 70% des Erfolges oder Misserfolges einer Spielrunde von Interaktionen zwischen den Teilnehmern abhängen, muss jede Arbeit an deinem SL-Stil mit einem Blick auf die Leute beginnen, mit denen du spielen wirst“ und „Es gibt nur eine richtige Art zu Spielen: Die Art, die die beste Balance zwischen den verschiedenen Geschmäckern deiner aktuellen Gruppe erzielt“.

Mit dieser Grundprämisse als Fokus baut er ein wundervolles Werk auf, das auf gerade mal 36 Seiten (englische Version) das gesamte Spektrum von der Auswahl des Regelwerks über Kampagnenentwurf bis hin zu Improvisation und charaktergetriebenem Spiel abdeckt und dabei immer wieder darauf zurückkommt, was das für jede einzelne Runde in der Praxis bedeutet.

Und man sieht an jeder Zeile, dass er Rollenspielen liebt: „Es ist eure aktive Teilnahme, die Mischung aus dem Spiel zwischen euren Gedanken und eurer Vorstellungskraft, die Rollenspielen zu etwas so Lebendigem und Besonderem macht.“3


  1. Ich habe die Übersetzung allerdings zwischen der ersten Mail an Steve Jackson und der Zusage von Pegasus etwa zweimal vollständig überarbeitet, zusätzlich zu der Überarbeitung von meinen handschriftlichen Notizen beim Abtippen – der erste Entwurf war definitiv nicht geschliffen genug, um gedruckt zu werden. 

  2. Das große ‚-N‘, das hier früher bei jedeN MitarbeitendeN stand4, (bzw. ‚-R‘, ‚-E‘, …) ist meine persönliche Variante des Binnen-I für in der Grundform feminine Worte. ANMERKUNG (da das einige Leute sehr aggressiv aufgenommen haben und nicht in der Lage waren weiter als bis zum nächsten Satz zu lesen): Im Buch verwende ich es NICHT (auch wenn ich es persönlich besser fände). Ich schreibe „einE LeserIn“, und da finde ich es nur konsequent auch „einE GrüneR“ zu schreiben :) – Leider habe ich das in der Übersetzung noch nicht konsequent gemacht (bzw. konsequent feminin oder wechselnd geschrieben), sondern nur bei den Beispielcharakteren darauf geachtet, obwohl ich es auf meiner ToDo-Liste hatte… (ich hätte diesen Beitrag viel früher schreiben sollen). Pegasus Spiele schreibt einen Disclaimer dazu (habe sie gerade angerufen).5 

  3. Mir stehen Tränen in der Augen, wenn ich diesen Satz lese, obwohl ich nicht mehr weiß, wie oft ich ihn schon gelesen habe, und ich hoffe, dass ihn noch viele Generationen von RollenspielerInnen lesen werden. 

  4. Ich schreibe auch heute (2013) weiterhin mit Binnen-I u.ä., allerdings nur noch dort, wo ich keine schöne geschlechtsneutrale Alternativversion finde. Statt „jedeN MitarbeitendeN“ benutze ich inzwischen z.B. „alle Mitarbeitenden“. „Alle“ ist sowieso ein tolles Wort, genau wie „Leute“ und „*-ende“ ☺. 

  5. Nachdem sich Leute darüber aufgeregt haben, dass ich hier in der Vorabinfo binnen-I und ähnliches verwende: Ich nutze es aus politischen Gründen. Wer bei „nenne mir die ersten 6 Schauspieler, die dir einfallen“ an drei Männer und drei Frauen gedacht hat, ist davon nicht betroffen (das ganze als Versuch mit Grobauswertung). Das Binnen-I und andere Formen mögen manchmal ungewohnt aussehen, aber sie funktionieren: Wenn das Binnen-I verwendet wird, denken Leute an beide Geschlechter. Wenn nur die männliche Form genutzt wird, dann denken sie v.a. an Männer. Und Frauen sind in unserer Gesellschaft immer noch stark benachteiligt (15€ gegenüber 19€; statistisches Bundesamt), daher stört es mich nicht, dass Leser beim Binnen-I etwas mehr an Frauen denken. Es gibt auch Bereiche, in denen Männer benachteiligt werden (z.B. wenn es um das Sorgerecht von Kindern geht, denn Kinder brauchen sowohl eine Mutter als auch einen Vater) und auch da sollte Gleichberechtigung greifen. Aber erstmal werden in den meisten Bereichen noch immer Frauen benachteiligt. Daher ist der Kampf für die Rechte der Frauen in den meisten Bereichen noch wichtiger. Aus diesem Grund verwende ich das Binnen-I6

  6. Kürzeste Fassung: Binnen-I und Doppelnennung wirken, und unsere Sprache benachteiligt Frauen leider wirklich (weil sie weniger wahrgenommen werden). Solange Frauen benachteiligt werden, sehe ich es als sinnvoll an, etwas dagegen zu tun. Einfachste Methode, die nichts am Sprachfluss ändert: Beispiele 50% weiblich und konsequent „die SL (Spielleitung oder Spielleiterin)“. Um wirklich etwas zu bewirken: Einfach mal konsequent weiblich schreiben, wenn es um Personen unbestimmten Geschlechts geht (kann man ja leicht ändern, wenn irgendwann mal über 50% der Nennungen in unserer Gesellschaft weiblich sind). Zwischenweg: Binnen-I7. Daten dazu von Markus’ Seite (Versuch mit Grobauswertung):
    SchauspielerInnen

    „Jeder Schwarze Punkt zeigt die Frauen-Quote der Nennungen einer Testperson. Der Querbalken den Durchschnittswert (gewichtet nach Zahl der Antworten), nämlich zuerst 30%, dann 40% und zuguterletzt beim Binnen-I sogar 58%. Das ist zwar über die Hälfte, liegt aber doch sogar am nächsten bei den eigentlich zu erwartenden 50.“

  7. Zu einem Artikel von Wolf-Schneider (Vom Christinnen- und Christentum): Ich finde es seltsam, wenn jemand von der Freiheit der Sprache spricht und dann etwas dagegen hat, dass Leute mit Sprache experimentieren, um die Benachteiligung von Frauen zu reduzieren. Mir ist klar, dass das nicht durch Druck (wer es nicht macht, wird angegriffen), sondern durch Verständnis der Wirkung der Sprache auf die Wahrnehmung kommen sollte. Mir hat aber bisher noch niemand gedroht, dass ich Ärger kriege, wenn ich kein Binnen-I verwende. Das Gegenteil ist der Fall: Leute haben mich angegriffen, weil ich es nutze. Durch sowas wird Sprache von Ideologen an ihrer Entwicklung gehindert, nicht durch FeministInnen. Und dann auch noch mit dem Argument der Natürlichkeit… 

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