Lennart Poettering hetzt taktisch gegen die Freie-Software-Gemeinschaft

Lennart Poettering hetzt gerade gegen die Freie-Software-Gemeinschaft wegen eines Problems das er mit verursacht:

»Much of the Open Source community tries to advertise the community as one happy place […] Well, it is not like that. It's quite a sick place to be in.«Lennart Poettering, 2010-10-06 on G+

Er greift Leute an, die Boykottaufrufe starten - weil systemd nicht dem entspricht, wie sie ihr System haben wollen, dessen Entwickler aber über Abhängigkeiten1 im Gnome Desktop, in pulseaudio, in udev und in dbus Distributionen unter Druck setzten, es zum einzigen Init-System zu machen - und damit gleichzeitig Gnome auf nicht-Linux-Systemen wie *BSD und dem GNU Hurd unbenutzbar zu machen drohen. Dann hetzt er gegen Linus („I'd actually put some blame on a certain circle of folks that play a major role in kernel development, and first and foremost Linus Torvalds himself“) und gegen die verbleibenden Distributionen, die systemd nicht zum Standard machen („communities that attract a certain kind of people (Hey, Gentoo!)“) — die Gentoo-Foren kenne ich persönlich als einen sehr technisch orientierten Ort mit vielen hilfreichen Leuten, aber Gentoo hat OpenRC, das alles kann, was systemd will, ohne dafür Shell-Skripte aufzugeben oder eine riesige Sicherheitslücke in PID1 zu brauchen.

Damit macht Lennart Poettering es sich sehr einfach - und lässt unerwähnt, wie er selbst einen Vortragenden mit rhethorischen Tricks vorgeführt und den gesamten Vortrag zerschossen hat.2

Jetzt gegen die Gemeinschaft zu hetzen, weil Leute ganz und gar nicht glücklich darüber sind, wie er über Kritik wegbügelt, wie er über Bande spielt um Leute zu zwingen, sein System zu nutzen, und wie er Alle angreift, die andere Vorstellungen von Freier Software haben als er, ist verlogen - und vermutlich Taktik: Polarisieren, um seine Fans gegen technische3, praktische4, pragmatische5, politische6 und strategische7 Kritik an Systemd zu immunisieren.

Das bedeutet nicht, dass in freier Software immer alles nett abläuft. Es gibt schlechten Kommunikationsstil, und es gibt Leute, die andere angreifen, um technische Argumente mit persönlichen Angriffen, Irreführung und Falschaussagen zu ersticken. Nur ist Lennart Poettering nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems, wie er mit dem Stil seines Artikels deutlich belegt hat.

Und er schreibt das sogar indirekt: »I have a thick skin (and so do most of the others involved in systemd, apparently)« — denn sie haben so viele Leute vor den Kopf gestoßen, dass sie ein dickes Fell brauchen. Dass jetzt manche Leute überreagieren liegt nicht daran, dass die Freie-Software-Gemeinschaft allgemein schrecklich ist, sondern daran, dass Lennart Poettering Leute gezielt verletzt und auch nicht vor gezielter Verleumndung zurückschreckt. Und sein Artikel zeigt, dass er deren Überreaktionen nutzt, um seine Agenda voranzutreiben. Er nutzt aggressive Kommunikation als Taktik.

Als Referenz dazu: Bei der Initsystem-Diskussion in Debian schrieb der OpenRC Champion das hier zum Vergleich zu systemd:

»I have decided to not write anything in this section, considering the aggressive tone I'm getting in return, which is all but fun. Anyway, the problems with Systemd have been debated a lot already, so it is useless to list them here again.«Debian initsystem: openrc - OpenRC vs. Systemd

Will heißen: Der Teil der Gemeinschaft um Freie Software, der von Lennart Poettering geleitet wird, ist gegenüber konkurrierenden Projekten wohl wirklich so übel, wie er es beschreibt. Auch durch ihn. Was Lennart Poettering mit seinem Rundumschlag gegen Alle, die ihm im Weg sind, wieder sehr deutlich belegt.

Zu guter Letzt zeigt er seine Sicht der Freie-Software-Gemeinschaft: “A fish rots from the head down”. Für ihn ist Linus Torvalds der Kopf der Gemeinschaft. Dass der Großteil Freier Software auch ohne Linux problemlos weiterläuft, lässt er unerwähnt - um genauer zu sein, bekämpft er das mit Systemd, denn Systemd soll nicht auf BSD oder Hurd laufen. Auch das ist ein der Botschaften seines Artikels: Er meckert gegen Leute, die aus seiner Sicht in einer Hierarchie oben stehen und arbeitet gleichzeitig daran, Systemd unverzichtbar zu machen, um es ihm zu erlauben, Druck auf den Linux Kernel auszuüben - also Lennart Poettering in seiner imaginären Hierarchie nach oben zu bringen.

PS: In einer Diskussion zu dem Text von Lennart Poettering habe ich eine weitere Antwort geschrieben: Lennart Poettering stellt möglichst viele Negativbeispiele auf, um im Vergleich dazu gut auszusehen:

the sentiment is not “if he is getting threats, it must be his fault”, but “if he repeatedly attacks other people, he shouldn’t be surprised that others don’t like him”. Threats are off-limits and should always be. But that he receives threats does not mean that his own actions is acceptable.

Don’t let him make you see him as good by contrasting him to people who issue threats. That’s a technique to look good in comparison. You can make a bully look good in comparison by putting him next to a rapist. But that does not make the bully a good person.

What Lennart is doing here is a masterpiece in manipulation.

He connects to current political debates on the internet, and tries to paint himself as being like Anita Sarkeesian and others, even though his writings betray exactly the kind of attitude he calls out in others.

To get out of that, check the tone of his text. This is the tone he sets. Is it a positive tone of cooperation? Or is it toxic and polarizing? Yes, we have problems. By pointing his finger on others, Lennart wants to hide that he is a major part of these problems. Lennart showed many times that he is well-versed in rhetorics, so this can’t be an accident.

PPS: Re-reading my own article one year later, I realized that my text itself isn’t as positive as I’d like it to be. I would prefer having more smiles in it. More fun. Systemd got to me, badly, and I pulled back from the discussion. I’d like to thank all the people who keep up their spirits and develop alternatives which allow me to keep my systems free from systemd. Thank you for all your hard work on clean init systems and tools!


  1. Die Abhängigkeiten sorgen dafür, dass sich Leute entscheiden müssen, entweder aktuelle Versionen von Gnome, udev, pulseaudio und/oder dbus mit systemd zu nutzen, oder aber auf alten Versionen zu bleiben, die irgendwann mit aktuelleren Systemen nicht mehr funktionieren. Mit udev ist das schon passiert. Danach wurde es geforked: Es gibt jetzt eudev

  2. Datenwolf stolpert in dem Video darüber, dass er Lennart regelmäßig fragt, ob er zustimmt. Damit gibt er ihm wieder und wieder die Diskussionshoheit, obwohl Lennart auf Irreführung und miese rhethorischen Tricks zurückgreift. 

  3. Technische Kritik: Das Grundlegende Design von systemd ist unsicher und instabil (broken by design) und viele der Argumente für systemd sind Trugschlüsse (Systemd: The Biggest Fallacies)

  4. Praktische Kritik: OpenRC schafft einen kompletten Start-Stop Zyklus in 0,6 Sekunden, durch einen Ein-Zeilen-Patch in inittab. Auf diese art sollte der Bootvorgang optimiert werden, und nicht durch die komplette Übernahme immer neuer Dienste in ein riesiges Systemd-Init-Konglomerat. 

  5. Pragmatische Kritik: A completely non-technical user’s perspective 

  6. Politische Kritik und die Kernel-Entwickler: Ts’o and Linus And The Impotent Rage Against systemd 

  7. Strategische Kritik: Systemd nimmt Distributionen die Handlungsfreiheit

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