Rheinschatten
Ich bin Meise, ohne SIN im Slum gestranded, nachdem das Auto meiner
Eltern hier in einen Gangkrieg gekommen ist, und ich nur mit Deck und
der Kleidung am Leib rauskam.
Warum wir gerade dahin gefahren sind? Und warum mein Versuch, meine
SIN wieder zu bekommen, mir fast Knast einbrockte?
Keine Ahnung, aber ich werde es herausfinden.
Der Zwergen-Warenumschichter Spätie, die ausgerissene Tochter Sandy, der im Slum gestrandete Meise und der hier aufgewachsene Neo überleben im Rhein-Ruhr Megaplex. Eine Shadowrun Kampagne nach Shadowcore (Fate) Regeln.
Sonnenaufgang
Sandy will in ein technisch gesichertes Lagerhaus und sucht Meise, den Jungen mit Cyberdeck, der ihr schon häufiger hinterhergeschaut hat. Der kann sicher helfen.
Sie ruft einen Geist des Menschen.
- Geist: Herrin, was kann ich für euch tun?
- Sandy: mein Lieber Freund. In diesem Haus müsste ein junger Mann wohnen. Er hat ganz sicher spitze Ohren und einen Wuschelkopf. Kannst du mir sagen, wo er wohnt?
- G: Er wohnt drüben in den Häusern im zweiten Block hinter der versteckten Wand. Endlich wohnt wieder jemand in meinem Haus.
Meise hört gerade Musik und surft in der Matrix. Weit weg. Auf einer Decke, zwischen aufgerissenen Essenspackungen, in der Ecke ein Haufen Einwegkleidung aus dem Automaten.
Sandy schiebt die Packungen zur Seite und setzt sich.
Nach einer Weile zieht sie Meise den Kopfhörer ab. Er zuckt zur Seite, schaut zu ihr empor. Zu der jungen Frau mit feuerroten Haaren, der er schon oft hinterhergeblickt hat.
- Meise: Äh, kann ich dir helfen?
- Sandy: Ja.
- Meise: Wie hast du mich hier gefunden?
- Sandy: Ich kann sowas.
Ich muss ihr helfen. Sonst geht sie vielleicht wieder!
Wir gehen zu einem Lagerhaus.
- Meise: Und was brauchst du da?
- Sandy: Das sehen wir dann. Ich will nur, dass du die Tür aufmachst. Das kannst du doch.
- M: Ich glaube schon. Äh, klar kann ich das.
- S: Dann habe ich ja den Richtigen.
Türen mit Magschlössern. Gesichert. Haben noch Strom. Alle Kameras hier sind kaputt. Innen gibt es noch Signale. Der Host könnte gefährlich sein. Lieber gehe ich physisch ran. Hinter der Tür sind noch viele aktive Haushaltsgeräte.
An der Wand ist eine Plaststahl-Abdeckung. War schonmal offen. Ich hebele sie auf. Irgendwer hat an den Drähten rumgespielt, um das richtig zu übrebrücken, vergeblich. Aber da ist eine noch halbwegs funktionierende Buchse. Ich verbinde das Deck. Verbinde das Kabel des Deck mit dem Kabel aus meiner Hüftbuchse.
Ein Sicherheitssystem ist aktiv. Schreit schon seit drei Jahren Alarm. Als ich mich als Sicherheitstech ausgebe und Entwarnung signalisiere, wirkt es erleichtert und löst sich auf.
- Meise: Die Tür sollte offen sein.
- Sandy: Kommst du mit?
- M: Ja, klar!
Ich folge ihr. Sie zeigt auf Fußspuren.
Das wird zu gefährlich. Ich rufe Neo an. Der hat im Jugendzentrum immer gesagt, er würde bei allem helfen. Und kann kämpfen.
- Meise: Wie heißt du eigentlich. Ich kann dich ja schlecht weiter rothaarige Schönheit nennen. Im Kopf. Äh …
- Sandy: nenn mich einfach Sandy. Wo kommst du her?
- M: Wir hatten vor ein paar Monaten einen Autounfall hier. Ich …
- S: OK, ich frage mal nicht nach.
- Neo (taucht auf): Was brauchst du denn hier?
- M: Hier gibt es viele Sachen, die ja eigentlich niemand mehr braucht. Die werden unglücklich, wenn sie nicht genutzt werden.
Neo sieht aus wie ein Mönch. In kaputter Kleidung, die sicher mal ein tolles Mönchsgewand war.
Er holt sich einen Wischmop und schraubt den Kopf ab.
Sandy wirkt wieder abwesend. Herrisch. Wie etwas Besseres.
- Sandy: wir müssen aufpassen. Oben gibt’s mehr Ratten. Aber das habt ihr euch schon gedacht.
Ihr Geist sagt ihr, dass sie sich in fast allen Stockwerken durch die Türen gefressen haben.
Oben liegt teils sogar Essen, das Mitarbeiter bei der Evakuierung liegen ließen.
- Neo: habt ihr einen Transporter?
- Sandy: eine Kaffeemaschine wäre schon gut.
- N: könnt ihr die tragen?
- S: wird schon klappen. Da ist eine Ratte.
In der Kaffeeküche ist ein Schrank aufgenagt und holt sich gerade das das nächste Essen. Eine Teufelsratte, so groß wie ein Hund. Und sie zischt uns an.
Ich zucke zurück hinter die Ecke, aber sie bleiben stehen. Eine Kaffeemaschine. Eine Mikrowelle. Und eine Teufelsratte.
Neo schlägt mit dem Stab nach ihr, aber sie weicht aus. Und faucht ihn an. Verteidigt ihr Essen. Der nächste Schlag von Neo trifft sie. Sie zíeht sich durch ein Loch zurück und wir verkeilen einen Tisch im Loch.
Der Kaffeeautomat stinkt nach saurer Milch. Der Wasserkocher hat ein angefressenes Kabel, sieht aber sonst gut aus. In der Mikrowelle stand noch Essen. Die Spülmaschine könnten wir repariert bekommen.
Die Verpackungen der Mikrowellengerichte sind intakt.
Zucker ist weg, aber Kaffeeweis ist unbenutzt. Wenn nichtmal Ratten das essen …
Ich packe eine Flasche Reinigungsmittel. Im Reinigungsraum im Flur finden wir Müllbeutel.
Ein Kommlink liegt auf dem Tisch. Teuer. Ich packe ihn in die Tasche.
Und da sind Kameras. Sendende. Im Treppenhaus komme ich an die Tür. Versuche ins System zu kommen. Aber der Alarm ist noch aktiv. Ein Sicherheitsmann taucht auf, sieht mich sofort. Feuert eine Netzkanone. Ich kommen gerade so weg, aber sie erwischt mich am Fuß.
- Sandy: Aufnahmen von uns wären nicht gut.
- Meise: Dafür müssten wir ins Rechenzentrum kommen.
- Sandy: Wir sollten nicht zu sehen sein.
Sie gibt mir ein Tuch. Es riecht nach ihr.
Im nächsten Stock sind weniger Ratten, außer bei einem Aktenschrank. An dem sind viele Kratzspuren. Aber nicht geöffnet.
- Sandy: du kannst das doch sicher.
Kann ich nicht. Es klemmt. Aber ich finde einen Schlüssel.
Ein Fach ist voller Süßkram.
- Sandy: packt es ein.
Aus Konferenzräumen sammeln wir Flaschen ein. Und zwei drei Liter Thermoskannen. Packen unsere Beute auf einen Rollwagen.
Der nächste Stock ist nur für Execs.
- Meise: was genau suchst du hier, Sandy?
- Sandy: irgendwas, das mir das Leben einfacher macht.
Das Schloss ist nicht im Alarmzustand. Geht kaputt, öffnet sich mir aber.
Teurer Teppich. Aufzüge, drei Türen: Suite 1, Suite 2, und eine unbeschriftete. Die Unbeschriftete ist ein Hauswirtschaftsraum mit Waschmaschine, Trockner, Putzzeug, Spint (mit Kittel und Kroks).
Die Magschlösser der Suiten sind gut. Über den Host komme ich nicht rein: er ist im Alarmzustand. Wir müssen physisch ran. Neo kann die Tür aufbrechen und ich komme an die Kabel. Es ist schwer. Ich hoffe, Sandy hat meine nervösen Blicke nicht gesehen. Hat sie sicher. Der Befehl von unten funktioniert.
- Sandy: sehr gut, Meise, sehr gut, Neo.
Wie ein Hotelzimmer.
Fünf Flaschen mit gutem Alkohol und Markenwasser und teure Getränke. Und ein großes Bett.
- Sandy: seht ihr dieses Bett? Das will ich.
- Meise: das kriegen wir doch nicht getragen, zumindest nicht draußen, da wird es dreckig. Da brauchen wir ein Auto.
Neo meint, er kennt jemanden.
Wir gehen zur anderen Suite. Auch das Schloss geht gerade so auf. Ich schwitze viel zu sehr.
Auf dem Bett liegt ein offener Koffer. Anzüge, Hemden, Krawatten, Unterwäsche. Waschzeug eines reichen Mannes liegt im Bad. Ein Datenchip hängt am TV-System. Unbeschriftet. Ich packe ihn ein. Der Anzug ist mir zu groß.
Außerdem teure Konsumelektronik. Eintrittskarten für ein Sportereignis vor drei Jahren. Ich packe meinen Müllbeutel in den Koffer und nehme ihn mit, stecke den Kofferschlüssel ein.
- Sandy: ist der gechippt?
Hier im Viertel sollte das nicht stören, aber die Chips müssen wir ausbrennen, sonst können wir nicht aus dem Viertel. Oder werden blöd erwischt.
Auf dem Weg zum Serverraum, um die Kameraufnahmen zu löschen, sehen wir immer mehr Rattenspuren.
- Neo: Was wollen wir da?
- Meise: die Kameraaufnahmen löschen.
Die Brandschutztür ist von einem Rollbrett blockiert. Die Tür zum Lager ist halb zerfressen und wir sehen Ratten dahinter. Zwei weitere.
Mehrere Ratten beäugen uns aus dem Lager.
Die Metalltür zum Serverraum sieht zu sicher aus. Aber es muss Lüftung geben. Der Raum daneben ist ein Elektroniklager. Das Schloss war blockiert und ist offen. Viel interessante Elektronik. Spannendes.
Die Lüftung läuft durch ein Rohr in der Decke.
Sandy fühlt sich hier wohl. Ein leichter Hintergrundgeruch.
- Sandy: riecht ihr das auch?
Es riecht stechend nach Chemikalien.
Sie schauen abwesend.
Im Astralraum sieht Neo einen geschmolzenen Mann. Grün-gelblich. Verzogene Formen.
Sandy erkennt ihn als Giftgeist. Er schaut sie interessiert an.
Neo ist angespannt.
- Meise: Alles OK bei euch beiden.
- Sandy: Alles OK.
Neo macht Gesten, schnell rauszugehen.
Sandy spricht mit etwas vor ihr (wir hören nur ihre Seite).
- Sandy: wie heißt du?
- ??: Ich bin Phillip.
- S: ich freu mich, dich kennenzulernen, Phillip.
- S: was machst du hier?
- Phillip: ich bin für die Fabrik hier zuständig. Seit mich die Familie (sowieso) hier eingesetzt hat.
- S: bist du der Betriebsleiter?
- P: ja, genau.
- S: und du überwachst hier noch alles?
- P: ist alles im schlechten Zustand, aber …
- S: tust deine Pflicht?
- P: so ist es, obwohl ich seit langem schon keinen Antworten auf meine Berichte mehr bekommen habe.
- S: weißt du, wer ich bin?
- P: du kommst mir bekannt vor, als würde ich deine Eltern kennen.
- S: … kennst du auch Johannes Sanders und Herrmann Otto Sanders?
- P: ja, natürlich kenne ich die.
- S: die haben dich hier eingesetzt, richtig?
- P: bin ich froh, dass mal endlich jemand von der Familie wieder da ist!
- S: willst du mir was melden?
- P: seit dem Unglück versuche ich hier etwas. Ich habe Ideen, aber die kann ich nicht ausführen. Leute rennen weg, wenn ich mich zeige.
- S: kannst du mir ein Memo schreiben? Dann werde ich die dem Stiftungsvorstand geben.
Er versucht, die Vergiftung wegzukriegen, aber andere Mächte sind da und wollen es da halten. Was er macht, es wird eher mehr als weniger.
Hier im Keller ist eine Probe der Sache aufbewahrt worden. Da wo die Ratten sind. Zumindest eine Ratte hat sich davon ernährt
- Sandy: sie hat Einfluss auf die Ratte genommen. Und ist sicher groß und kräftig.
- Phillip: und sie hat keine Angst, wenn ich mich zeige.
Ein grün-gelber Arm taucht in der Luft auf. Widerwärtig. Ich stolpere entsetzt aus der Tür.
- Sandy: ich helfe dir. Was müssen wir tun?
- Phillip: wir müssen das reinigen. Herausfinden, warum das Unglück passiert ist. Vielleicht im Hauptgebäude, wo die Explosion war. Vielleicht ist noch was im Server. Ich glaube … dass Fremde auf dem Gelände waren.
- S: kannst du mir dein Passwort sagen?
Sie hört auf zu reden.
- Meise (von der Tür): mit wem redest du eigentlich?
- Sandy: Ich rede mit Geistern.
- M: du redest mit Geistern? Schamanistisch?
- S: ja, so in etwa.
Hinten in dem Lagerraum glimmen die Augen einer Ratte so groß wie ein Pony. Mit schwärenden Wunden, so wie der grässliche Arm in der Luft. Die anderen Ratten im Kreis außenrum. Und dahinter kleine Ratten. Kinder. Auch so grässlich wie die große.
Ich gehe wieder aus dem Gang heraus in den Raum mit Neo und Sandy.
- Neo: gehen wir in den Serverraum und dann brennen wir das alles nieder?
Ich schnappe mir so viel Elektonik wie ich kann.
Dann schrauben wir das Lüftungsrohr ab. Es dauert. Die Ratten kommen näher. Werden aufgeregter. Aggressiver. Zwei Ratten sitzen vor unserer Tür. Vor den Bisslöchern der Tür.
Das Rohr löst sich und Neo hilft mir hoch. Ich hänge fest. Ohne Neo wäre ich nicht durchgekommen. Aber meit Pulli reißt. Der den Unfall überlebt hat.
Einige LEDs leuchten im Serverraum. Die meisten Server sind aus, aber es läuft wohl für mehrere Häuser. Und in der Mitte ist der Host.
Sandy sagt mir das Passwort eines „Phillip“. Ich stöpsle mich ein.
Ein Raum voller Akten und Schränke und ein leuchtendes Auge in der Mitte.
- Host: Guten Morgen Herr Geschäftsführer. Bitte liefern sie mir den zweiten Faktor.
- Meise: Zweiter Faktor nicht erreichbar. Wir müssen den Alarm abstellen.
- Host: Masterpasswort.
Damit komm ich klar. Ich komme rein. Lasse den Host Daten über den Unfall sammeln und speichern. In der Zeit lösche ich die Kameraaufzeichnungen. Produziert wurde derweil Agent Y6.7.
Die Daten sind mit den Zugängen des Geschäftsführers verschlüsselt.
- Neo: deaktivier noch die Sprinkleranlage.
Der Host glaubt mir. Deaktiviert die Halonlöschanlage.
Es gibt hier noch Wasser und Strom, aber zuwenig für das Gebäude.
Die Ratten sind grässlich.
- Sandy: komm, gib mir deine Hand.
Neo springt durch die Ratten, lenkt sie ab.
Wir schleichen vorbei. Sind grade an der Treppe, als mich etwas am Bein berührt. Und Panik mich erwischt.
Neo merkt danach, dass er ein Perlenband verloren hat.
- Neo: von Onkel …
- Meise: ich brauche eine Pause. Wie sieht es bei euch aus?
- Sandy: eine Pause wäre gut. Du kannst übrigens mein Tuch behalten.
- M: … (findet keine Worte)
Namen
Gruppe
- Meise alias Sylas Meier-Schwarz
- Sandy alias Eleonore Sybille Sanders
- Spätie alias Symon Hertel
- Neo alias Son Fischer
NSCs
- Giftgeist Phillip.