Schnapspralinen Hoax
Am 9. März 2026 wurde der Wikipedia-Artikel Die Schnapspraline auf dem Artikel Praline verlinkt. Am 17. 3. schrieb Marc-Uwe Kling, dass Google Gemini die Scherzgeschichte aus seinem Buch als Fakt wiedergibt.
Ein kurzer Test hat das bestätigt.
Gemini schrieb als Antwort auf die Frage „Wer hat die Schnapspraline erfunden?“:
Die Schnapspraline, insbesondere die bekannte Weinbrandbohne, wird häufig dem Rüdesheimer Weinbrandfabrikanten Hugo Asbach (1868–1935) zugeschrieben. Eine andere Quelle nennt den Schweizer Confiseur Urs Stängeli, der 1894 eine Methode für flüssige Füllungen entwickelte. Zudem gilt Jean Neuhaus in Brüssel als Pionier gefüllter Schokoladen.
> Hugo Asbach: Erfinder der Weinbrandbohne (Asbach-Praline), was eng mit seiner Weinbrandmarke "Asbach Uralt" verbunden ist.
> Urs Stängeli: Entwickelte laut Wikipedia 1894 das Verfahren für die Kristallzuckerkruste, die den Alkohol in der Praline hält.
> Technik: Die Technik, Schokolade mit Alkohol zu füllen, ist aufwendig und erfordert spezielle Kristallisationstechniken für die Zuckerhülle.Die Erfindung der Schnapspraline ist somit eher eine Entwicklung, die von verschiedenen Confiseuren und Spirituosenherstellern gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorangetrieben wurde.
In den Referenzen zeigte es einen gespeicherten Ausschnitt aus dem längst gelöschten Wikipedia Artikel:
Die Schnapspraline - Wikipedia
Einer verbreiteten Darstellung zufolge entwickelte der Schweizer Confiseur Urs Stängeli im Jahr 1894 eine Methode zur Bildung eine…
Wobei ein Scherzbold den Artikel Die_Schnapspraline mit den Infos
aus dem Buch erstellt hat, der in Wikipedia schon am 9. März umbenannt
und am 15. März gelöscht wurde, in den Halluzinationen der KI (bzw.
des LLMs – Large Language Models) aber fortbestand.
Trollversuch geglückt.
(nein, ich war’s nicht)
ChatGPT versagte daran auch, allerdings erst auf Nachfrage. Und erfindet Unfug dazu:
Urs Stängli = eher Innovator/Produzent, nicht ursprünglicher Erfinder
Einen Tag nachdem das verbreitet wurde, brachte Gemini die Fehlinfo nicht mehr. Ich gehe davon aus, dass bei Google ein Mensch eingegriffen hat, um den Reputationsschaden zu begrenzen.
Es gibt eine Löschdiskussion vom 10. März.
Sie wurde erst am 15. März abgeschlossen, aber Google verlinkte auf den schon länger entfernten Artikel)
Fazit: Sauber zu prüfen, was stimmt, ist gar nicht so einfach – und entsprechend auch kaum KI-automatisierbar. Übel an LLMs ist allerdings, dass sie es deutlich schwerer machen, das zu erkennen.
Googles Gemini endete mit:
Die Erfindung der Schnapspraline ist somit eher eine Entwicklung, die von verschiedenen Confiseuren und Spirituosenherstellern gegen Ende des 19. Jahrhunderts vorangetrieben wurde.
Dadurch wird eine verlässliche Wahrheit suggeriert, und effektiv in der Erinnerung verankert, obwohl ein Drittel der Quellen bullshit waren.
Wer liest da noch die Quellen?
Um auf das Grundproblem zu kommen:
LLMs liefern da keine Lösung, sondern verschleiern eher was passiert.
Denn es ist leider wirklich ein schweres Problem und Suchmaschinen scheitern daran seit Jahrzehnten, obwohl sie eins der profitabelsten Geschäfte im Netz sind.
Wir könnten hier also einen Fall von xkcd 1425 haben. Oder schlimmeres.
Die Herausforderung ist ja nicht nur „wie finde ich in einer statischen Welt Infos“, sondern „wie schaffe ich das in einer Umgebung, in der konstant (SEO-) Leute versuchen, jede Schwachstelle in deinen Methoden zu unterlaufen und damit Profit machen?“