Problematische Sprachbilder
Sprachbilder wirken immer auf mehreren verschiedenen Ebenen. In der Poesie sind sie das Hauptausdrucksmittel. In der Alltagssprache sind wir allerdings oft unvorsichtig, so dass unsere Sprachbilder indirekt Aussagen treffen, die wir gar nicht vermitteln wollten.
Hier will ich solche Bilder sammeln.
Reflektion, Einsicht und schrittweise Änderung machen klug
Der Mensch wird nur durch Schaden klug.
Das Sprichwort ist falsch und schädlich.
Schaden selbst macht nicht klug. Schon gar nicht „nur“ Schaden.
Sonst wäre bei Kindern, denen Gewalt angetan wurde, die Wahrscheinlichkeit selbst Täter zu werden niedriger als bei anderen.
Die Wahrscheinlichkeit ist aber höher.
Nach dem ersten Weltkrieg haben die Deutschen ja auch nicht gelernt, dass Angriffskrieg falsch ist. Dafür brauchte es den Wiederaufbau und die Reflektion nach dem zweiten.
So wie von Gewalt gegen Kinder Betroffene, die ihre Erlebnisse reflektieren, dieses Risiko nicht nur abwenden, sondern ihre Kinder stärker schützen können.
Denn nach Schaden folgende Reflektion mit Einsicht und bewusster, schrittweiser Änderung von Verhalten kann klug machen. Auch gesellschaftlich. Damit Einsicht folgt, braucht es bewusste Aufarbeitung. In Gesellschaften auch medial: wie können wir besser handeln?
Das Sprichwort bewirkt, dass selbst wenn Schaden bereits unübersehnbar eingetreten ist, Leute sagen „lasst sie halt härter gegen die Wand laufen, anders geht es wohl nicht“. Es verursacht daher selbst Schaden.
Ein passenderes Bild:
Menschen werden klug durch Einsicht und Arbeit an sich selbst.
Die Maske: Menschen können sich ändern
Das Fallenlassen der bürgerlichen Maske
Das Bild des Fallenlassens der Maske entwertet das positive Verhalten der Leute früher und impliziert, dass Änderungen nicht möglich sind.
Das Beobachtete Verhalten ist meist eher auf echte Veränderungen in der Gesellschaft zurückzuführen, z.B. durch die ständige Aufhetzung.
Passenderes Bild:
Die Stimmung bricht. Der Gesellschaftliche Konsens wird zerstört.
Oder auch:
Hetze verdeckt Empathie und Menschlichkeit.
Geld wird von allen Arbeitenden erwirtschaftet
Von der Mitte erwirtschaftet und vom Staat nach unten und oben weggenommen
Das Bild des Staates, der der Mittelschicht das Geld wegnimmt, die Ausgebeutete Mittelschicht, ist auch irreführend.
Es stimmt zwar, dass die Mittelschicht die meisten Steuern zahlt, aber das Bild ist aus zwei Gründen falsch:
- Das Geld wird auch von der Unterschicht erwirtschaftet, die erhalten nur nicht genug Lohn für ihre Arbeit, und
- Nach oben wird es nicht durch den Staat, sondern durch die Wirtschaft verteilt — durch riesige Löhne auf der Führungsebene, durch missbräuchliche Vertragsbedingungen (dank großem Rechtsteam), durch Monopole, durch Besitzverhältnisse, und durch Dividenden und Zinsen.
Fakten:
- „Im Jahr 2018 hatten die oberen 10 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen einen Anteil von 36,6 Prozent am Gesamtbetrag der Einkünfte. Ihr Anteil am gesamten Einkommensteueraufkommen lag mit fast 55 Prozent noch mal deutlich höher.“ — bpb: Einkommensteueranteile
- Das durchschnittliche Nettovermögen des reichsten Zehntels ist zwischen 2012 und 2017 von 245.353€ auf 335.670€ gestiegen. — bpb: Vermögen nach Einkommensverteilung
Passenderes Bild:
Das Geld wird durch die Arbeit Aller erwirtschaftet, der Staat trägt mit Steuern auf hohe Einkommen die Schwächsten, die Reichsten verlassen die Finanzierung und holen sich über Resourcenkontrolle einen Anteil aus den meisten Wirtschaftprozessen.