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Volker Pispers wird instrumentalisiert

Ich bin ein Fan von Volker Pispers, und ich trauere darum, dass er aufgehört hat. Ich habe aber eine Ahnung, warum er gegangen ist: Die Medienlandschaft hat sich geändert und sein Programm wird heute massiv instrumentalisiert, um Politikerverdrossenheit gegenüber denen zu schüren, die etwas verbessern wollen, und gleichzeitig diejenigen zu unterstützen, die alles schlimmer machen wollen.

Das hier ist nur meine Ahnung, keine gesicherte Wahrheit!


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Wenn ich so oft wie Volker Pispers erlebt hätte, dass AfD-Fans Teile meiner Texte aus dem Zusammenhang reißen, abfeiern und verbreiten, den sie selbst betreffenden Teil aber einfach rausschneiden und nie mitbekommen, dann hätte ich auch aufgehört.

Man kann heute nicht mehr auf Youtube nach Pispers suchen, ohne einen irreführenden, instrumentalisierenden Zusammenschnitt zu finden.

Um den Youtube-Kommentar von Paul West zu zitieren:

Er würde wohl kotzen, wenn er wüsste, dass hier blau-braune Verschwörungstheoretiker seinen Sermon beklatschen…

Volker Pispers hat in seinen Texten auf sein Publikum gezielt. Dafür hat er den Finger in einer Art in die Wunde gelegt, die seinem aktuellen Publikum weh tat und zum Nachdenken führte. Die gleichen Texte haben leider bei AfDern nicht zum Nachdenken geführt, weil sie ja den Finger in die Wunden der Anderen legten.

Wie Georg Schramm hat Volker Pispers berechtigten Zorn geschürt und mit Denkanstößen unterfüttert. Leider haben zu viele Leute nur den Zorn übernommen.

Volker Pispers hat falschen Glauben angegriffen, wird nun aber von Verschwörungs-Propheten als Mittel genutzt, um erst das Vertrauen in die Gesellschaft zu zerstören, und dann Lügen in die Lücke zu setzen.

Grüne und Linke waren für Volker Pispers beliebte Ziele, weil sein Publikum sie mehrheitlich unterstützte, oft aber gar nicht konsistent mit ihren Zielen lebte und ihre Schwächen übersah, so dass er falschen Glauben auflösen und dabei Impulse zur Verbesserung setzen konnte. Das wurde sichtbar, wenn er sein Programm unlustig abschloss und zum Beispiel klar sagte, was in Schulen gebraucht wird.

Um falschen Glauben aufzulösen, braucht es aber den Willen, zu verstehen und kognitive Dissonanz nicht nur auszuhalten, sondern für Verbesserungen zu nutzen. Und dieser Wille fehlt denen, die heute seine Texte instrumentalisieren. Stattdessen versuchen sie, Leute dazu zu bringen, das Kind mit dem Bade auszuschütten und jene zu unterstützen, die ethische Grundsätze schon lange über Bord geworfen haben und daher durch Satire nicht mehr erreichbar sind.

Fazit: An seiner Stelle hätte ich wahrscheinlich auch aufgehört. Ich vermisse seine Auftritte trotzdem. Doch bevor er ging, hat er mehrere Jahre lang neue Kabarettisten unterstützt, deren Texte schwerer zu instrumentalisieren sind.

Ob meine Ahnung stimmt, kann allerdings nur er selbst sagen.

Autor: ArneBab

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