Kommentare zu Palantirs Manifest
Palantir hat am 18.4. das Manifest “The Technological Republic” veröffentlicht. Ich habe es auf Deutsch übersetzt (darf das aber aus Urheberrechtsgründen nicht veröffentlichen). Hier kommentiere ich daher nur die problematischten Punkte darin. Das darf ich.
(zu 3) Freibrief für Mächtige
Klingt, als sei es bewusst an Reiche und Mächtige gerichtet: ihr könnt machen, was ihr wollt, solange ihr Wirtschaftswachstum und Sicherheit bringt. Klingt wie von Xi Jinping kopiert: Grundrechte sind egal, solange Wirtschaft und Sicherheit klappen.
(zu 6) Militarisierung statt Schutz
Durch „den nächsten Krieg nur führen“ wird klar, dass es nicht um Abschreckung oder Verteidigung geht, sondern um Militarisierung der Gesellschaft.
(zu 8) Reiche an die Macht
Das scheint Punkt 18 zu widersprechen – es sei denn, es geht um Regierungsdienste von Reichen (die keine Vergütung sondern Macht wollen).
(zu 9) Irreführung
Nicht völlig falsch, aber Punkt 18 zeigt, worum es wirklich geht.
(zu 10) Macht ohne Werte
Rechtfertigung dafür, schreckliche Menschen zu wählen, die nicht die eigenen Werte vertreten.
(zu 13) Jeder, der Thiel dient, aber nicht alle
Hier wird von Chancen gesprochen, was verschleiert, dass zwar jeder es zum Vizepräsidenten schaffen kann, wenn er von Peter Thiel finanziert wird, aber sehr, sehr viele in bitterer Armut und ohne soziale Absicherung leben. Um Pispers zu paraphrasieren: an den USA sehen wir überdeutlich, dass aufsteigen zu dürfen nicht dasselbe ist wie aufsteigen zu können.
(zu 14) Irreführung um Körnchen Wahrheit
Die Leute im Irak würden das mit dem Frieden vielleicht nicht so sehen.
Und zu Weltkrieg: Vor dem ersten Weltkrieg hatten auch lange Zeit Leute keinen Weltkrieg erlebt – die Opiumkriege waren stark lokalisiert, so dass eher die Kreuzzüge und die vorhergehende Islamische Expansion vielleicht als Weltkriege gelten könnten. Jahrhunderte ohne Weltkrieg sind nicht so besonders.
Es gibt ein Körnchen Wahrheit: die USA waren Garant der Stabilität in der EU. Es wird aber ignoriert, dass die USA davon massiv profitiert haben.
(zu 15) Feiert Aggression
statt "wir wollen, dass niemand andere angreift" heißt es (paraphrasiert) "wir wollen 'unsere Leute' wieder aggressiver sehen".
(zu 16) Ehrt die Milliardäre (statt sie zu besteuern).
Dass Musk Scharen treuer Anhänger hat wird hier locker unter den Teppich gekehrt. Passt wohl nicht ins Narrativ der misshandelten Milliardäre, die mehr Achtung brauchen.
(zu 17) Bevölkerungskontrolle statt Waffenkontrolle
Will heißen: statt Waffenkontrollgesetze sollen sie Bevölkerungskontrolle mit Palantir. Selbst wenn die Bevölkerung dagegen ist („Risiko gegenüber ihren Wahlkreisen“). Und statt der Gesellschaft als Ganze wird die Aufgabe Technokraten überschrieben.
(zu 18) Vergebt den Mächtigen (die Epstein-Akten)
Das ist mit Punkt 9 eine Dopplung der Aussage, die Vergehen von Mächtigen sollten vergeben werden. Nach der Aufdeckung der Epstein-Files veröffentlicht. Das hat ein „Geschmäckle“.
(zu 20) Unterdrückungs-Mimikri der Mächtigsten
Hier wird ein Aspekt in den USA aufgegriffen, dass an den Universitäten eher atheistische Gedanken verbreitet sind, was aber gerade in Kreisen „der Elite“ gar nicht so verbreitet ist (es sei denn Peter Thiel, der vom Antichrist redet, wäre nicht Teil der Elite).
Klassischer AfD-Trick: „wir sind unterdrückt und müssen Widerstand leisten, selbst wenn wir gerade den Präsidenten stellen“.
Und ist im Kontext von 21 zu sehen: gilt nicht für angeblich minderwertige.
(zu 21) Rechtfertigt Unterdrückung mit Herrscherkultur
Seine Kultur ist natürlich die, die Fortschritte brachte … das ist klassisch rassistischer Sprech, jetzt im Gewand von Kultur, so wie schon zur Zeit des Kolonialismus Unterdrückung mit behaupteter Minderwertigkeit gerechtfertigt wurde.
(zu 22) Rechtsextreme Kulturidentitätsideologie
Das ist ein rhetorischer Trick, der verschleiern soll, dass kultureller Austausch und Multikulti durch Synergien echte Mehrwerte bringen. Wer Kaffee trinkt, Schokolade mag, Kartoffeln isst oder Nudeln mit Tomatensoße genießt – oder den klassischen Karlsruher Döner im Yufka von der Crèpe-Platte – profitiert von Multikulti.
Das Manifest spricht hier der rechtsextremen kulturidentitätsideologie das Wort.
Kritik durch Andere
Wenn ihr mehr Hintergründe sucht: auf der re:publica 2026 hat Rainer Mühlhoff die größten Probleme des Manifests besprochen (Video: KI und der neue Faschismus).