Gefahr für den Fortbestand der Menschheit durch globale Erwärmung
Informationen aus dem IPCC Synthesis Report 6 und dem Climate-Atlas
Bei den aktuellen politischen Entscheidungen zum Klimaschutz steht meiner Einschätzung nach das Überleben der Menschheit als Spezies in Frage.
Die Projektionen des IPCC haben Unsicherheiten. Risikoabschätzungen. Die aktuellen politischen Maßnahmen bringen uns auf einen Pfad, der 37% Risiko eines AMOC-Abrisses hat, und selbst das angestrebte +2°C Szenario hat ein 5% Risiko, 3°C Erwärmung zu bekommen. Bei Szenario SSP3-7.0 (das zweitschlimmste, das leider noch plausibel ist) ist die Gefahr bei über 5%1, 5,5°C zu reißen.
Ab 3°C Erwärmung ist unklar, ob Indien weiter bewohnbar ist.¹ Dass das Land einer bevölkerrungsreichen Atommacht unbewohnbar wird, sehe ich als das Szenario, bei dem das Überleben der gesamten Menschheit in Frage steht.
¹ aufgezeigt durch die Variable TX40 für Indien bei 3°C Erwärmung: die Anzahl der Tage mit über 40°C Feuchtkugeltemperatur – da sterben Menschen im Freien binnen 30 Minuten ohne Schutzausrüstung.
Was wir allerdings aktuell machen, im Vergleich zu dem, was wir für 2°C brauchen, also schon mit 5% Risiko von fast 3°C Erwärmung, ist deutlich zu wenig (Rechtes Diagramm).
Wir riskieren also deutlich mehr als 3°C Erwärmung – und damit den Fortbestand der Menschheit.
5,5°C Erwärmung wäre mehr als an der Perm-Trias-Grenze. Die Folge davon wäre ein “hostile earth mode”.
Das hier ist nur eine der Gefahren. Es gibt auch Gefahren für Biodiversität (Ökologische Netzwerke drohen zu brechen) und weitere Kipppunkte (Tipping Points) bei Verwundbarkeiten der Tier- und Pflanzenwelt und der menschlichen Gesellschaft.
Es passiert bereits vieles, aber noch zu wenig, um in sichere Bereiche zu kommen.
Und bitte lest die IPCC Berichte.
Sie liefern nicht nur die physikalischen Grundlagen, sondern auch die zu erwartenden Auswirkungen, Risiken und Anpassungsfähigkeit und viele Maßnahmen, um globale Erwärmung aufzuhalten.
Jeder der Berichte hat einen Abschnitt „Summary for Policymakers“. Er ist halbwegs allgemeinverständlich und alle, die irgendwas mit Politik und Wirtschaft machen, sollten mindestens diese Übersichtsabschnitte verstanden haben.
Nachtrag: meine Meinung zu den Risiken einer 3°C wärmeren Welt.
Ab 3°C Erwärmung wird erstmal Indien wahrscheinlich unbewohnbar.
Ist unsere globale Zivilisation in der Lage, damit umzugehen, wenn in 50 Jahren eine Atommacht allen anderen sagt „wir brauchen neue Wohnorte für eine Milliarde Menschen“, oder versinken wir dann in Weltkriegen, durch die wir die nötigen Anpassungsmaßnahmen nicht mehr schaffen?
Wenn wir die 3°C Erwärmung reißen, wird es daher unangenehm werden. Wenn wir nicht deutlich stärkere Klimaschutzmaßnahmen einleiten, müssen wir jetzt anfangen, uns auf massive Fluchtbewegungen einzustellen. Und bei einer Milliarde Menschen hilft keine Abwehr mehr: da brauchen wir internationale Organisationsformen, die sehr viele Menschen in bestehende Gesellschaften integrieren können, ohne dass die daran zerbrechen.
Eins der Länder, die größtenteils unbewohnbar werden, ist Indien. Indien ist eine Atommacht.
Wäre ich Modi, würde ich der EU im Fall der Fälle sagen: Entweder ihr öffnet die Grenzen und wir finden einen Weg, gemeinsam zu leben, oder wir bombardieren eure Städte und bauen dann neue mit ausreichend Abstand zu den radioaktiv verseuchten Ruinen.
Das gilt natürlich nur für den Fall, dass Europa bewohnbar bleibt, und nicht etwa durch den Zusammenbruch der AMOC einfriert und austrocknet und wir diejenigen sind, die fliehen müssen.
Der richtige Weg™ wäre (nach meinem bisherigen Verständnis), ein wirkliches International organisiertes Migrationsprogramm zu haben, so dass Leute aus durch den Klimawandel unbewohnbar werdenden Regionen andernorts eine neue Heimat finden.
Dafür brauchen wir dann aber politische Lösungen, wie Demokratie für alle gut funktionieren kann, wenn binnen 5 Jahren die Bevölkerung auf das Doppelte wächst und Neuankommende andere Vorstellungen haben als Alteingesessene.
Bei 1 Milliarde Leuten aus Indien und Afrika auf der Flucht vor Klimakatastrophen wird das nämlich passieren. Die Sorge davor, eine Minderheit im eigenen Land zu werden, wäre dann (anders als jetzt) auch in Europa berechtigt.
Möglichkeiten, die dafür bereits erprobt werden, beinhalten z.B. die Konsoziationaldemokratie mit Veto-Rechten verschiedener Gruppen.
Wir werden dabei nicht zu wenig Resourcen für Menschen haben. Nur mit Luxus wird es schwieriger.
Weder gibt es zu wenig Essen, noch zu wenig Platz.
Der Großteil der Welt ist noch weit von der Bevölkerungsdichte der Niederlande entfernt, es gibt also kein Platzproblem (denn die Bevölkerungsdichte der Niederlande ist offensichtlich nicht zu hoch).
Das sind bisher alles lösbare Probleme. Allerdings nur lösbar, wenn wir vorausschauend planen. Wir müssen jetzt die Vorbereitungen treffen, damit in 25 Jahren keine Kriege um Wasser ausbrechen. (bzw. nicht zu viele)
Viele Jahre mit zu wenig Regen sind leider zu erwarten, wenn die AMOC abbricht. Und genau darauf müssen wir uns inzwischen leider vorbereiten.
Klar wird das teurer, aber die nötigen Arbeiten sind deutlich billiger und Menschenfreundlicher als Kriege um Wasser.
Und da das nicht von heute auf morgen aus dem Boden gestampft werden kann, wenn es trockener wird, braucht es Vorbereiteung. Wir wissen noch nicht, wo genau es zu trocken werden wird, aber wir wissen, dass das in vielen Regionen passieren wird.
Fußnoten:
“Very Likely” range (aus der Caption des Bildes) bedeutet im IPCC 90-100% Wahrscheinlichkeit. Die Obergrenze zu überschreiten hat also 5% Wahrscheinlichkeit.