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Manifest für Menschen dieser Welt

Ich bin gerade in die Grundfesten erschüttert. Noch begreife ich die Konsequenzen nicht völlig und ich kann bisher nur medial vermitteln, was ich fühle, weil der Horror davon anders kaum greifbar scheint.


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Das hier ist der Anfang eines Artikels. Ein erster Aufruf für Kommentare. Das Thema ist zu wichtig, um es zu verzögern, bis ich es durchformuliert habe. Ich will ihn aktualisieren, bis er den Stand erreicht, den er schon jetzt haben sollte, wenn ich denn die Fähigkeiten hätte, ihn angemessen zu vermitteln. Bitte seht es mir nach und lasst euch auf ihn ein.

Er fängt mit Medien an. Wenn ihr könnt, schaut sie euch bitte in dieser Reihenfolge an, bevor ihr weiterlest:

Gerade fühle ich, wie die Welt wieder militaristischer wird. Und Einstein könnte wieder Recht behalten. Denn wir haben keinen Pfad zum Frieden nach einem Sieg. Nur zu einem "wellspring of future wars". Und so war das auch schon in Afghanistan. Und im Irak.

Ich höre gerade seit Monaten Sabaton, ich weiß nicht warum. Gestern hörte ich Father. Ich spürte wie ich dachte, „sollten wir nicht Militärforschung machen?“. Dann hörte ich wieder:

And as the conflict and the tensions rose, the manifest of the Ninety-Three.

Das Manifest der 93 kannte ich gar nicht. Also las ich nach:

Man kann nicht niederträchtiger fälschen, als wenn man die Verbrechen dieser Meuchelmörder verschweigt, um die gerechte Strafe, die sie erlitten haben, den Deutschen zum Verbrechen zu machen.

An einer rasenden Einwohnerschaft, die sie im Quartier heimtückisch überfiel, haben sie durch Beschießung eines Teils der Stadt schweren Herzens Vergeltung üben müssen.

Das berühmte Rathaus steht gänzlich unversehrt. Mit Selbstaufopferung haben unsere Soldaten es vor den Flammen bewahrt.

Es ist nicht wahr, daß der Kampf gegen unseren sogenannten Militarismus kein Kampf gegen unsere Kultur ist, wie unsere Feinde heuchlerisch vorgeben. Ohne den deutschen Militarismus wäre die deutsche Kultur längst vom Erdboden getilgt.

Deutsches Heer und deutsches Volk sind eins.

Beim Lesen hörte ich die Stimme von Putin (Überhöhung der eigenen Kultur, und „die gerechte Strafe, die sie erlitten haben“), und ich hörte die Stimme von Xi Jinping (“denkt wie Mao, dass alle Macht aus den Gewehrläufen kommt” — Arte Doku: Die neue Welt des Xi Jinping)

„China has adopted an approach it calls “military-civil fusion” (MCF), which seeks to break down all barriers between the civilian sector and China’s defense industrial base“ — Dr. Christopher Ashley Ford, Testimony to commission.

Doch ich hörte auch meine Gedanken zu Kampf mit einem neuen, schrecklichen Klang.

Das war das erschreckendste, denn ich sah, wohin wir gehen:

„Haber Bosch, the Great Alliance, where’s the contradiction. Fed the world by ways of science, sinner or a saint. Father of toxic gas and chemical warfare, his dark creation has been revealed.“ — Sabaton — Father

Und ich sah einen Link in dem Artikel: Das Manifesto to the Europeans

Aufruf an die Europäer.

… hat noch nie ein Krieg die kulturelle Gemeinschaftlichkeit des Zusammenarbeitens so intensiv unterbrochen, wie der gegenwärtige.

so wären doch diejenigen, denen jene gemeinsame Weltkultur auch nur im geringsten am Herzen liegt, doppelt verpflichtet, für die Aufrechterhaltung dieser Prinzipien zu kämpfen. Diejenigen aber, bei denen man solche Gesinnung vermuten sollte-also vornehmlich Wissenschaftler und Künstler-, haben bis jetzt fast ausschließlich Dinge gesagt, die vermuten lassen, als ob mit der Unterbrechung der tätsächlichen Beziehungen auch selbst der Wunsch zu deren Fortsetzung geschwunden sei, sie haben aus einer erklärlichen Kampfstimmung heraus gesprochen,

Da wäre es doch wohl Pflicht der gebildeten und wohlwollenden Europäer, wenigstens den Versuch zu machen, um zu verhindern, daß Europa infolge seiner mangelhaften Gesamtorganisation dasselbe tragische Geschick erleidet, wie einst Griechenland. Soll auch Europa sich durch Bruderkrieg allmählich erschöpfen und zugrunde gehen? Denn der heute tobende Kampf wird kaum einen Sieger, sondern wahrscheinlich nur Besiegte zurücklassen. Darum scheint es nicht nur gut, sondern bitter nötig, daß gebildete Männer aller Staaten ihren Einfluß dahin aufbieten, daß — wie auch der heute noch ungewisse Ausgang des Krieges sein mag — die Bedingungen des Friedens nicht die Quelle künftiger Kriege werden, — Einsteinpapers, S. 69ff, die Notizen Albert Einsteins

Diesen Aufruf haben nur vier Leute unterzeichnet. Wir wissen wie es weiterging. Wie hellsichtig dieser Text war. Und wir wissen aus unserer Geschichte, wo das endet: Sabaton: World War Two — Escalation to the nuclear Explosion

Wir haben auch heute keinen Pfad zum Frieden nach einem Sieg. Nur zu einem “wellspring of future wars”. Und so war das auch schon in Afghanistan. Und im Irak.

Während ich das hier schreibe, fließen mir Tränen der Verzweiflung über die Wangen.

Wir brauchen einen Pfad zum Frieden. Zu einer friedlichen Welt. Damit die Bedingungen des Friedens nicht die Quelle künftiger Kriege werden.

Ich habe ihn nicht, aber wir brauchen ihn, wenn sich nicht die globale Zivilisation „in einem Geschwisterkrieg allmählich erschöpfen und zugrunde gehen soll“, wenn unsere selbst verursachten Krisen über uns hereinbrechen und ein Ende der Menschlichen Zivilisation einläuten.

Es ist schreckliche Ironie, dass ich Lieder über Kriege hören musste, um die Trajektorie zu sehen, auf die wir einschwenken. Wir müssen da raus. Wir müssen es schaffen, dass auch andere dort aussteigen. Und wir müssen es als Weltbevölkerung gemeinsam schaffen, sonst reicht ein einzelner Militarist, um alles zu zerstören.

ArneBab 2023-01-12 Do 00:00 - Impressum - GPLv3 or later (code), cc by-sa (rest)