Softwarepatente sind falsch - sie gehen an der Programmierrealität vorbei

Eine Antwort auf Nicht Softwarepatente sondern Trivialpatente regen mich auf:

Auch wenn ein Entwickler Jahre in einen Algorithmus steckt, baut er trotzdem auf alten Algorithmen auf und nutzt andere Mechanismen.

Außerdem ist ein Algorithmus nur Mathematik, und wer anfangen will, Mathematik zu Patentieren, kann gleich wieder Ideen patentieren - denn etwas anderes ist Mathematik nicht.

Das einzige, was möglich wäre, ist die Anwendung eines Algorithmus für eine bestimmte Aufgabe zu patentieren, aber damit wird dann das patentiert, was am wenigsten Aufwand ist, so dass das Patent zu einem reinen Blockadepatent wird.

Ein weiteres Problem hier ist, dass Software sich viel schneller weiterentwickelt als andere Gebiete der Technik, und das Patente für Software schlicht zu lange halten.

Die meisten Programme sind nach 3 Jahren überholt, das Patent würde aber ein Monopol auf Jahrzehnte zugestehen.

Nehmen wir mal folgende Situation: Ich schreibe ein Programm, das die Privatsphäre wirklich innovativ schützt und lasse es patentieren.

Dann verkaufe ich mein Patent an Microsoft/Google/... und stelle die Entwicklung des Programmes ein. Als nächstes verklage ich jeden, der ein ähnliches Programm schreibt.

Voilà: Die Entwicklung von Programmen, die die Privatsphäre schützen ist komplett aufgehalten, obwohl die Entwicklungszeit für ein ähnliches Programm jetzt vielleicht nur noch bei einem Jahr liegt.

Wenn die Entwicklungszeit von Programmen auf über 10 Jahre anwachsen sollte... wird es bereits bessere Programmierumgebungen geben, mit denen auch diese Programme schnell geschrieben werden können (sollte das nicht der Fall sein, ist da eine Marktlücke, die sehr schnell geschlossen werden wird - es sei den es hält jemand ein Patent darauf).

Gleichzeitig würden Softwarepatente die freie Softwareentwicklung komplett zerstören, da dort Programmierer als Hobby arbeiten und definitiv kein Geld haben, um eine Patentrecherche durchzuführen.

Patente sind ein Werkzeug, um der Gesellschaft stark nutzende Entwicklungen zu fördern. Dafür gibt die Gesellschaft dem Patenthalter das Privileg, ein zeitlich begrenztes Monopol auf seine Entwicklung zu haben. Im Gegenzug muss der seine Entwicklung offenlegen und Geld bezahlen (um zu zeigen, dass seine Entwicklung entsprechend viel Geld abwirft -> krude Art um den Nutzen der Entwicklung für die Gesellschaft zu beziffern).

Softwarepatente würden der Gesellschaft aber weniger nutzen als sie schaden, zumindest solange der Nutzen von Patenten nicht den Gesamtnutzen freier Software übersteigt; auch den zukünftig zu erwartenden - und dieser Gesamtnutzen ist enorm (siehe Google, Webserver, ... der Großteil nutzt freie Software).

Wie oben geschrieben widersprechen Softwarepatente auch dem grundlegenden Programmierkonzept, da beim Programmieren die Nutzung von früheren Werken direkt zum Handwerkszeug gehört (wer anderer Meinung ist: Compiler sind auch frühere Werke, genau wie Skriptumgebungen. Viel Spaß beim Tippen von Nullen und Einsen... ).

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Zusatz: Sinn

Agitator schrieb am 11. März 2009 00:18:

Und wie wäre das mit
http://www.epo.org/patents/law/legal-texts/html/epc/2000/d/ar53.html
vereinbar?

Problemlos: Es verstößt weder gegen die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten, noch ist es eine Pflanzensorte oder Tierrasse oder ein Verfahren zur chirurgischen oder therapeutischen Behandlung des menschlichen oder tierischen Körpers.

Woher nimmst du denn das moralische Recht, während der Werbung den Kanal zu wechseln oder in deiner Aufnahme zu spulen? Warum solltest du beim Fernsehen was können, das du bei DVDs nicht kannst? Nur weil Fernsehen früher da war?

Und schon sehen wir den gesellschaftlichen Mehrwert dieser Erfindung: Wir bringen Leute dazu, für etwas zu bezahlen, das sie bisher gratis kriegen.

Am Besten packen wir das in ein Paket mit Sachen, die sie wollen, so dass sie es kaufen, obwohl es sie nervt.

Das ist der Fortschritt, den Softwarepatente bringen...


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- Arne Babenhauserheide

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