Offene Mail an EU-Parlamentarier zur Anhörung über „Zensur für Kinder“ am 28.–29.9.2010

Diese Mail habe ich heute Frau Franziska Katharina Brantner geschickt, einer EU-Abgeordneten der Grünen im Ausschuss für „Women’s Rights and Gender Equality“.

Sehr geehrte Frau Brantner,

Am 28. und 29. September sind Sie im Rechtsausschuss (LIBE) des Europaparlaments zu einer Anhörung zum Schutz von Kindern vor Missbrauch und Ausbeutung eingeladen.

Nach den Titeln und Sprechern der Vorträge zu urteilen1 werden Befürworter von Internetzensur versuchen, das Ziel des Schutzes von Kindern zu nutzen, um für Kinder unwirksame, teure und für die Demokratie gefährliche Internetsperren zu bewerben.

Ich könnte jetzt viele Seiten schreiben, warum Internetsperren Kindern eher schaden als ihnen zu nutzen, und der Gesellschaft sowieso, aber das haben bereits genug andere getan2 und ich weiß, dass Ihre Zeit wertvoll ist. Daher will ich mich auf zwei Punkte beschränken:

  • Wie (un-)wirksam Zensur ist:

    Mein eigener Rechner nutzt seit langem alternative DNS-Server, so dass ich die Sperre zu Hause nichtmal bemerken würde. Das gleiche kann jeder normale Internetnutzer in 30s machen. Und selbst wirklich teure Zensur lässt sich im Internet auch ohne spezielle Kenntnisse schnell umgehen. Die Stichworte dazu sind tor, i2p und freenet.

  • Was Zensur bedeutet:

    Ein Mann wird auf der Straße mit einem Messer bedroht. Zwei Polizisten sind sofort da und halten ein Transparent davor:

    „Illegale Szene. Niemand darf das sehen.“
    

    Der Mann wird ausgeraubt, erstochen und verblutet, denn die Polizisten haben beide Hände voll zu tun.3

Aus diesem Grund möchte ich Sie bitten, sich nicht in die Irre führen zu lassen. Internetsperren sind teuer (nicht nur einmal, sondern bleibend) und unwirksam. Das Geld, dass dafür ausgegeben werden müsste, wäre sehr viel besser in Maßnahmen investiert, die Kindern wirklich helfen. Zum Beispiel Kindergärten.

Und selbst wenn Internetsperren wirken würden, hätten unsere Kinder nichts davon, denn wir würden langfristig das freie Medium Internet verlieren. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass die Zensur sehr schnell auf andere Bereiche ausgeweitet wird, teils sogar bis zur Zensur von Kritikern der Zensur4. Als werdender Vater will ich nicht, dass meine Kinder in einem Staat ohne das Recht auf freie Meinungsäußerung aufwachsen müssen.

Meine zukünftigen Kinder werden weder durch staatliche Bevormundung, noch durch das Verstecken von Straftaten an anderen Kindern geschützt. Beides hindert sie vielmehr daran, ihr Leben selbstbewusst und mit einem wachen Auge für reale Gefahren in die eigenen Hände zu nehmen.

Ich hoffe, ich konnte ihnen mit meiner Mail vermitteln, warum Zensur Kindern nichts bringt aber sowohl den Kindern als auch der gesamten Gesellschaft schadet.

Mit freundlichen Grüßen,
Arne Babenhauserheide

--
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– Arne (http://draketo.de)

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