Schüler ändern Benutzerordnung der Schulcomputer: Kein Keylogger mehr - Ludwig-Frank-Gymnasium Mannheim

Das Ludwig-Frank-Gymnasium in Mannheim verlangt von seinen Schülern per Nutzerordnung der Rechner Totalüberwachung bis hin zum Keylogger und willkürliche Strafen zu akzeptieren.

Update: Nachdem sich der Sohn als einziger in seiner Klasse (und seiner Schule!) beschwert hat und sein Vater ihm einen Brief mitgegeben hat, der sagte, was an der Benutzerordnung alles nicht stimmt und dass er ihm verboten hat, die Benutzerordnung zu unterschreiben, und nachdem der Sohn diesen Brief mit einem leer gelassenen Feld für den Namen verteilt hat, vom Informatiklehrer gelobt („eure Klasse ist die einzige, die überhaupt was gesagt hat“) und vom Konrektor blöd angemacht wurde („was fällt dir eigentlich ein, sowas zu sagen“), ihm dann verboten wurde die Briefe in der Schule zu verteilen, er die Zettel dann halt vor der Schule verteilt hat, schnell die ganze Klasse hinter ihm stand und sogar eine Informatik-AG gegründet hat und schlussendlich sein Vater zum Rektor bestellt wurde, wurde die Benutzerordnung mit seiner Mitwirkung und nach Diskussionen in der ganzen Klasse geändert!

Ein Schüler, der sich beschwert und nicht nachgegeben hat, genügte, um die Benutzerordnung zu ändern. Einer, der nicht einfach mitlief, und die ganze Schule veränderte sich. Ich bin sicher, dass die Schüler dabei gerade mehr über Demokratie gelernt haben als in einer ganzen Schullaufbahn Politik-Unterricht. Und ich bin verdammt froh, dass ich meinen kleinen Beitrag dazu leisten konnte, indem ich mit ihm und seinem Vater die Benutzerordnung durchgegangen bin und beide in der Ansicht bestärkt habe, dass das Ding in der Fassung schlicht und einfach illegal war und mich über die größten Schwächen aufgeregt habe. Und manchmal reicht einer, der die Augen aufmacht und den Mut hat, für das aufzustehen was er sieht.

Der Sohn eines Freundes von mir hat heute eine Benutzerordnung für das Schulnetz12 mit nach Hause bekommen, die sein Vater untesschreiben sollte. Unter anderem erlaubt die der Schule, ständig und ohne Verdachtsfall einen Keylogger zu nutzen (E-Mails über webmail zu verschicken ist aber erlaubt, d.h. die Passwörter werden immer ausgespäht3).

Gleichzeitig verbietet sie den Schülern z.B. Werbung oder „Bekanntmachungen aus … parteipolitischen Gründen“ „herunterzuladen, zu versenden bzw. zu empfangen oder anderweitig zu veröffentlichen bzw. im www zu suchen“, also dürfen z.B. keine Parteiprogramme gelesen werden, und Google ist eh tabu, da auch einfache Textwerbung neben Suchergebnissen heruntergeladen werden muss, bevor sie angezeigt wird.

Und:

„Zuwiderhandlungen gegen diese Nutzungsordnung können neben dem Entzug der Nutzungsberechtigung für das Netz und die Arbeitsstationen schul- und dienstrechtliche Maßnahmen zur Folge haben“

Die Schule hat also eine Blankovollmacht, jeden Schüler und jede Schülerin vollständig zu überwachen und ihm/ihr zu jeder Zeit Strafen aufzubrummen, weil es im Netz fast nicht möglich ist, sich an diese Regeln zu halten.4

Mein Freund sagte dazu:

Ich habe nicht gegen die VDS (Vorratsdatenspeicherung) geklagt, um diese Totalüberwachung inklusive aller Passwörter hinzunehmen.

Und damit hat er verdammt Recht: Unsere Schulen sollen unsere Kinder Demokratische Grundprinzipien lehren. Stattdessen bereiten sie sie auf Totalüberwachung und ständige Angst im Stil von 1984 vor.


PS: Wie fast alle anderen Inhalte auf meiner Seite ist dieser Text frei lizensiert und darf geändert, weitergegeben und auch verkauft werden, solange alle Änderungen frei bleiben und dabeisteht dass der Text frei ist (GPL), dass der Ursprungstext von mir ist (Link auf Draketo.de und Name: Arne Babenhauserheide) und was geändert wurde. Die eingescannte Benutzerordnung ist allerdings leider nicht frei lizensiert (dazu hätte ich nicht die Rechte).


  1. Nichts in der Benutzerordnung verbietet die Veröffentlichung. Anders als andere Inhalte hier steht sie aber NICHT unter der GPL (ist also nicht frei lizensiert). 

  2. Der Name passt: Es geht offensichtlich nicht nur um die Ordnung der Benutzung, sondern der Benutzer, auch wenn sie es nicht nutzen. 

  3. Und selbst wenn alle Lehrer und Admins sich zu jeder Zeit rechtmäßig verhalten würden, traue ich unseren Schulen nicht zu, Daten zu sichern die ähnlich sensitiv sind wie die privaten Passwörter der Schüler in Onlinediensten. Wie hätten sie sonst so ein Machwerk von Nutzungsordnung verfassen können? 

  4. Dazu kommt noch so Irrsinn, wie zu reglementieren, was Schüler in E-Mails und Foren schreiben dürfen („Geschmacklosigkeiten haben in Mails und Foren nichts zu suchen“) und Benutzer für alle Aktivitäten, „die unter seiner ID stattfinden“ voll verantwortlich zu machen (aber dem Admin einen Keylogger zu geben…). 

AnhangGröße
Benutzungsordnung_Schulnetz-Ludwig-Frank-Gymnasium_Mannheim.pdf771.9 KB

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Schulordnung

Hallo,

bin gerade über den Schauenburger Boten auf die Seite gestoßen und habe interessiert den Artikel gelesen. Wirklich toll, dass sich einer erhebt, aber ich finde es fast erschreckender, dass die restliche Schülerschaft es zunächst nicht verhinderte.

Sicherlich reicht manchmal einer, aber es wäre doch schön, wenn mehr Leute für ihr Recht eintreten und sich gegen die Überwachung wehren.

mfG

Marc

Geht mir auch so, aber das gilt leider fast überall

Danke für deine Rückmeldung!

Ich habe das auch schon mal bei einer Demo erlebt, da war es das gleiche: Alle fanden es doof, aber keiner wollte der erste sein (funktionierende Zivilcourage auf der G8 Demo in Evian).

Was ich wichtig finde ist, dass nun eine ganze Klasse gelernt hat, dass es funktioniert, wenn man sich wehrt. Eigentlich sogar die ganze Schule, und wenn sich das noch weiter verbreitet lernen es vielleicht noch viel mehr Schüler im Land (die verwenden Standardprogramme, das passeirt also vermutlich auch an vielen anderen Schulen!).

Ein Weg, um dafür zu sorgen, dass mehr Leute für ihr Recht eintreten ist es, Erfolgsgeschichten zu verbreiten. Deswegen habe ich auch den Beitrag hier aktualisiert - ursprünglich habe ich ihn geschrieben, um dem Schüler Rückendeckung zu geben. Denn es ist viel einfacher, aufzustehen, wenn man weiß, dass es Leute gibt, die es auch öffentlich wagen, hinter einem zu stehen.

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((λ()'Dr.ArneBab))



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